Sonntag, 18.11.2018

Wieso wir zwei momentan keine Kiwis mehr sehen können.

 Celine und ich sind momentan in dem kleinen Örtchen Kerikeri, in dem wir seit fast 4 Wochen leben und arbeiten. Dass wir hier überhaupt angekommen sind, ist schon ein Wunder, da die Anfahrt natürlich nicht problemlos abgelaufen ist. Zum einen konnten wir noch gerade so das Abfackeln des Hauses unserer Woofing-Familie, verursacht durch einen brennenden Toaster, verhindern, zum anderen hätten wir fast an einer Raststätte festgesessen, da meine verpeilte Art mal wieder Dominanz bewies und somit die Autoschlüssel im Auto vergessen wurden. Dass sich das Auto nach 30 Sekunden automatisch verriegelt, war in diesem Fall einfach gesagt: echt richtig scheiße. Zu unserem Glück geschah dies am Labour-Day, wodurch so ziemlich keiner gearbeitet hatte. Die Geschichte endet mit dem Gewichtsverlust meiner Brieftasche, da der einzig verfügbare Mechaniker für mehr oder weniger einen Handgriff 130$ verlangte. Die Moral der Geschicht: vergiss deine Autoschlüssel nicht im Auto, vor allem nicht an Feiertagen - das wird teuer!!

Mittlerweile sind diese Sorgen schon vergessen, denn hier in Kerikeri haben wir einen recht gefestigten, routinären Tagessablauf, bei dem wir nicht viel falsch machen können. Relativ schnell haben wir einen Job auf einer Kiwi-Farm bekommen, auf der wir nun knapp 4 Wochen arbeiten. Da man immer erst mit den positiven Aspekten beginnen soll, formuliere ich es mal so: es war so langweilig, dass man viel nachdenken konnte. Abgesehen von dem Drücken der Kiwi-Knospen, mussten wir nämlich nichts anders machen. Da uns jegliche Art der Kommunikation untersagt wurde, war man somit also 8 1/2 Stunden täglich in seinen eigenen Gedanken gefangen. So wurde es schwer, sich weiterhin motiviert zu halten - vor allem, da Symptome wie den Rücken eines 80-jährigen zu haben oder den Kopf nicht mehr schmerzfrei bewegen zu können, nicht verschwinden wollten. Es gab jedoch auch Momente (wenn auch selten), in denen uns die Arbeit Spaß machte, man verbrachte schließlich den ganzen Tag an der frischen Luft umgeben von Vögeln und Häschen. Letztendlich sind wir aber recht froh und auch dankbar für diese Arbeit, da man aufgrund des vielen Nachdenkens und Reflektierens unterstützt durch spirituelle Podcasts zu der ein oder anderen Erkenntnis gelang. Nun gehen wir in den Supermarkt und haben -  wenn auch nur ein wenig - eine Vorstellung von der Arbeit hinter dem Obst und Gemüse. Außerdem hatten wir einen superlieben Supervisor, der die These unterstützt, dass die, die am wenigstens haben, am meisten geben. Er hat nämlich - genauso wie wir - nur den Mindestlohn bekommen, muss eine 5-köpfige Familie ohne die Unterstützung seiner Frau finanzieren und hat (nachvollziehbarerweise) keinen großen Spaß an der physisch belastenden Arbeit. So war er es, der uns nach einem langen Arbeitstag auf ein Eis einlud oder uns typisch neuseeländische Spezialitäten mitbrachte. Er war auch unsere einzige Konstante bezüglich des Englisch-Sprechens, da in unserem Hostel bis auf eine Japanerin und einen Brasilianer nur Deutsche waren. Da sich diese aber als eine coole Community herausstellte, freute man sich immer, den harten Arbeitstag am Abend im Hostel ausklingen lassen zu können und sich schon aufs kommende Wochenenden zu freuen.

Als nächstes werden wir nun endlich richtig anfangen zu reisen, solange wie unser Erspartes reicht - dann muss wohl wieder ein neuer Job her. Aber nicht nochmal auf einer Obstplantage. Es ist ein bisschen so wie betrunken Gras zu rauchen: kann man mal machen, braucht man nicht nochmal.

Kiwi-Plantage Yoga gegen die Schmerzen Mit unserer Jenny am Strand Ausflug Die Hostel-Crew Pahia

 

 

Montag, 22.10.2018

Unsere 2 Wochen in Ti-Point

Die letzten zwei Wochen haben Céline und ich in einer Gastfamilie verbracht, um dort als „Woofer“ unsere ersten Erfahrungen zu machen. Für diejenigen, denen das Woofen nichts sagt: man arbeitet in einer Familie für Kost und Logie anstatt für Geld. Unsere Familie bestand aus einem Ehepaar Jenine und Nat sowie aus deren Tochter Raley. Die intensive Kommunikation hat zwar seine Zeit gebraucht, besser Englisch können wir trotzdem immer nich nicht sprechen. Nachdem wir die tägliche Arbeit von circa 3-stündiger Dauer erledigt haben, hatten wir Zeit, die Umgebung zu erkunden und die Menschen besser kennenzulernen (oder unseren Englisch-Skills durch Netflix ein bisschen auf die Sprünge zu helfen). Nach den bisherigen Erfahrungen können wir schonmal festhalten, dass die meisten Menschen hier sehr zuvorkommend und ziemlich lässig sind. Unsere Gastmutter hat uns zum Beispiel am ersten Tag mit ihrem Auto umherfahren lassen oder uns das Haus dieses Wochenende zur Verfügung gestellt, als der Familienausflug nach Wellington anstand. 

Ansonsten bestand unsere Freizeit hauptsächlich aus den Trips zum Steg (5-minütiger Fußweg), an dem man immer auf neue Leute traf; den Roadtrips zum Supermarkt (ich meine wirkliche Roadtrips, weil der nächste Supermarkt eine halbe Stunde mit dem Auto entfernt lag) oder den Aktivitäten wie dem „Reptile-Parc“, in dem wir uns circa 2 Stunden lang gefühlt 20 verschieden Arten von Schildkröten angeguckt haben. Ich finde das so lustig, weil Schildkröten an sich schon nicht das größte Entertainment bieten und sie den ganzen Laden dort allein schmeißen. Mein Lipperherz trägt immer noch Schäden von den Eintrittsgebühren von umgerechnet 15€ pP. Aber schließlich war auch das eine einprägsame Erfahrung.

Dieses Wochenende haben sich meine zarten 18 Jahre zu nicht mehr ganz so fitten 19 Jahren verwandelt, was mit zwei Freundinnen aus der Heimat gefeiert wurde. Die Tatsache, dass man dafür ein ganzes Haus zur Verfügung hatte, hat natürlich positiv dazu beigetragen. Nachdem Sachen vorgefallen sind, die vielleicht nicht ganz im Sinne der Hausherren war, aber wo man sich dachte „Ach - wir hinterlassen das Haus am Ende sauber, von unseren Aktivitäten bekommt ja niemand etwas mit“, habe ich mich halb totgelacht, als am nächsten Morgen eine Kamera entdeckt wurde, die alles Wichtige im Blickfeld hatte. In dem Sinne wünsche ich mir nachträglich zum Geburtstag, dass nie jemand dieses Band zu sehen bekommt - und falls doch: enjoy the show. 

Nachdem ich für diesen Beitrag das letzte bisschen Wlan geschnorrt habe, machen wir uns voller Zuversicht Richtung Norden.

Das Grundstück der Gastfamilie Schwimmen am Steg Unsere Sicht vom Essenstisch Mit Malena und Brit

 

 

Dienstag, 09.10.2018

Die ersten Wochen auf eigenen Füßen

Céline und ich sind mittlerweile knapp 3 Wochen unterwegs. Nachdem auf Bali noch ein Mal entspannt werden konnte, wurden wir in Auckland ins kalte Wasser geworfen: bei welchem Anbieter einen Handyvertrag abschließen? Bei welcher Bank ein Konto einrichten? Wo ein Auto kaufen? Und das Schlimmste: das alles auf Englisch zu managen.

Mit einer vielversprechenden Vodafone-Sim-Karte, einem (noch) leeren ANZ-Bankkonto und einem (fast) niegelnaglneuen Honda Odyssey konnten wir letzten Freitag stolz dem Sonnenuntergang entgegen fahren. Da dies ein schöner Start gewesen wäre, kann es natürlich nicht das Ende der Geschichte gewesen sein. An der ersten Ampel, an der wir mit unserer getauften „Jenny“ hielten, ging sie auch schon aus. Leider haben wir auch im Thema Technik bzw. Auto keine besonders guten Kompetenzen, weshalb ein Opfer aus der sich hinter uns bildenden Stauschlange zur Hilfe eilen musste. Letztendlich mussten wir nur in den Parkmodus wechseln, um das Auto erneut starten zu können, aber hey - jetzt wissen wir, wie man ein Automatikauto überhaupt startet. Je weiter wir aber mit unserer Jenny fuhren, desto mehr wurden wir mit Sorgen gequält. Da ich nicht mit Details langweilen will (und weil ich keine Lust habe, mich nochmal an all die Probleme erinnern zu müssen) überspringe ich diesen Part und komme zu dem Teil, in dem wieder alles gut wird. Das war gestern, denn nachdem ein Campingplatzgenosse in unseren Gesichtern eine scheinbar große Verzweiflung erkannte, half er uns, sich mit unseren mehr Indisch als Englisch sprechenden Autoverkäufern auf eine kostenlose Reparatur zu einigen. Zwar musste dabei mit dem Einbezug von Polizei und Gericht gedroht werden, Hauptsache ist aber, dass unsere Jenny wieder läuft. Nach diesem einprägsamen Wochenende sind wir nun in Leigh bei unserer ersten Woofyng-Family gelandet. Hier können wir jetzt innerhalb der nächsten zwei Wochen die traumatischen Erfahrungen des Wochenendes mit neuen, schönen Erfahrungen wie dem Kayak-Fahren, oder auch einfach mithilfe der tollen Aussicht kompensieren.

Trotz des zeitweise aussichtslosen Beginn unserer Reise, hatten wir auch schon sehr schöne Erfahrungen und wir sind gespannt, was uns noch so alles erwartet...

 

 Unsere „Jenny“ In Stillwater in Leigh Leigh